Nach der stalinistischen Denkweise Putins und des russischen Establishments ist eine wirtschaftliche Katastrophe besser als die Niederlage zu akzeptieren (genauso wie für Hitler und die Nazi).
So schrieb die „Welt“ am 4. Juni 2026 in dem Artikel „Finanzministerium warnt Putin vor unbezahlbaren Kriegsausgaben”: „In Moskau gibt es laut der Nachrichtenagentur Bloomberg Streit über die Kosten des Ukraine-Kriegs. Während Finanzministerium und Zentralbank vor einem gefährlich wachsenden Haushaltsloch warnen, drängt das Verteidigungsministerium auf zusätzliche Mittel. Russlands Krieg gegen die Ukraine wird nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg zunehmend zu einem Haushaltsproblem in Moskau ...
Hochrangige Regierungsvertreter hätten Präsident Wladimir Putin gewarnt, dass die Ausgaben für den Krieg auf einen nicht mehr bezahlbaren Kurs geraten seien, berichtet die Nachrichtenagentur unter Berufung auf mit den Beratungen vertraute Personen und eingesehene Dokumente. Demnach drängen vor allem Vertreter des Finanzministeriums und der Zentralbank auf Kürzungen bei den Militärausgaben, weil das Haushaltsdefizit gefährlich anschwellen könnte”. In der Praxis werden für den russischen Imperialismus die Kosten des Krieges zunehmend untragbar. Die Militärausgaben verschlingen inzwischen bis zu 50 % der Staatsausgaben. Vor allem aber hat sich die Lage verschärft, nachdem die Ukraine begonnen hat, mit ihren Langstreckenraketen Raffinerien sowie große Knotenpunkte der Gas- und Ölverteilung intensiv zu bombardieren und zu zerstören. Dies habe innerhalb Russlands zu einem gravierenden Mangel an Diesel und Benzin geführt – Treibstoffe, die sowohl für die Bevölkerung als auch insbesondere für das Funktionieren der zivilen wie militärischen Industrie unverzichtbar sind. Die Situation habe sich so weit zugespitzt, dass Putin gezwungen gewesen sei, das große jährliche Wirtschaftsforum in St. Petersburg (3.–6. Juni) zu nutzen, um die äußerst besorgte Industrie- und Bankenführung zu beruhigen.
Welche Argumente brachte Putin auf dem Forum vor?
Zunächst ist hervorzuheben, dass sich auf dem Treffen eine besondere Situation zeigte, die Business Insider am 23. Juni in dem Artikel „Russlands Finanzministerium warnt Putin vor explorirenden Kriegs-Kosten": „Demnach drängen vor allem Vertreter des Finanzministeriums und der Zentralbank darauf, die Militärausgaben zu begrenzen. Hintergrund ist ein
wachsendes Haushaltsloch, das die Regierung in Moskau zunehmend unter Druck setzt. Zugleich fordere das Verteidigungsministerium zusätzliche Mittel, berichtet Bloomberg. Damit verschärfe sich ein Konflikt innerhalb der russischen Führung: Finanz- und Währungspolitiker wollen offenbar sparen, während Militär und Teile des Kremls die Rüstungsausgaben offenbar nicht antasten wollen. Nach „Bloomberg“-Informationen sei dies eines der deutlichsten Zeichen für interne Spannungen in Moskau seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im Jahr 2022”.. Innerhalb des Landes bilden sich somit – wie in Kriegssituationen häufig – zwei große gegensätzliche politisch-gesellschaftliche Lager heraus: Auf der einen Seite steht die pragmatische wirtschaftliche Führung, die auf die ökonomischen Interessen des Landes blickt und Mäßigung, einen Kompromiss oder ein Ende des Krieges fordert. Auf der anderen Seite steht die politisch-militärische Elite, bestehend aus Militärs und politischen Hardlinern, die gegenüber der wirtschaftlichen Zerstörung des Landes gleichgültig sind und auf eine Fortsetzung des Krieges bis zur völligen Erschöpfung drängen. Das ist im kapitalistischen System nichts Neues. So war es zum Beispiel während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, als Hitler und die von der deutschen Großindustrie an die Macht gebrachten Nationalsozialisten kamen, wo das Wort "sich ergeben" nicht existierte, obwohl die Niederlage inzwischen offensichtlich war. Ähnliches geschehe gegenwärtig im Krieg im Iran, wo die fanatischen Pasdaran als Vertreter der religiös geprägten Agrarbourgeoisie nicht aufgeben wollten und den Zerstörungen gleichgültig gegenüberstünden, während das iranische wirtschaftliche Establishment einen Kompromiss befürworte. Im Kampf zwischen kapitalistischen Banditen sei auch dies Normalität.
In diesem Kontext hat sich Putin, der unter enormem Druck steht, aber selbst der fanatischen politischen Elite angehört, klar und ohne Zögern für die Fortsetzung des Krieges ausgesprochen. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass sich die Regierungsführung der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Probleme sehr wohl bewusst sei. Als Lösungsansätze stellte er eine Ausweitung der Erdölförderung in Aussicht. Zudem berichtete die bereits zitierte „Welt“: „Putin hat das Finanzministerium nach Angaben von Bloomberg bislang angewiesen, zunächst in anderen Bereichen des Haushalts nach Einsparungen zu suchen, bevor an den Verteidigungsetat
werde. (…) Russland erwägt laut einem früheren Bericht von Bloomberg die Einführung einer Sondersteuer für bestimmte Rohstoffproduzenten und Banken. Die Moskauer Stadtverwaltung kündigte Stellenabbau und Investitionskürzungen an, nachdem die Haushaltseinnahmen deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren”. Ergänzend schrieb „Die Zeit“ am 29. Juni unter der Überschrift „Ukrainekrieg: Wlwdimir Putin beruf wegen Treibstoffmangels Krisensitzung ein": „Um die Folgen zu verringern, müsse schon ab Juli mehr Treibstoff produziert werden. Außerdem sei ein Exportverbot für Diesel im
Gespräch, sagte er. Russland zapfe bereits seine Reserven an. »Die sich stellenden außergewöhnlichen Aufgaben werden gelöst, und zwar klar, zügig und kompetent im Interesse des Landes und unserer Bürger«, zitierte die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass den Präsidenten”. Mit anderen Worten: Eine Kürzung der Militärausgaben steht nicht zur Debatte. Stattdessen sollen zur Versorgung von Industrie und Bevölkerung der Export von Dieselkraftstoff ausgesetzt und gegebenenfalls sogar Kraftstoffe aus dem Ausland importiert werden. Finanziert werden soll dies durch höhere Steuern im Inland sowie eine Ausweitung der Staatsverschuldung. Dies sind die angekündigten Maßnahmen.
MŐGLICHE ENTWICHLUNG RUSSLANDS.
Russland befindet sich somit aus wirtschaftlicher Sicht in einer äußerst schwierigen Lage, die Präsident Putin inzwischen nicht mehr verbergen kann und die ihn zu offiziellen Gegenmaßnahmen zwingt.
Vor diesem Hintergrund ist interessant, was das Portal „Taz“ am 30. Juni unter der Überschrift „Krise in Russland. Alle Zeichen stehen auf Eskalation” schrieb: „Russlands Präsident Putin ist in die Enge gedrängt – militärisch, wirtschaftlich und politisch. Es gibt bereits Berichte über eine
Generalmobilmachung. In Russland scheint ein feines Gespür für die reale Lage trotz aller Durchhalte- und Schönfärbungsparolen im Staatsfernsehen zu herrschen: Der Verkauf von Büchern zum Umgang mit Angstgedanken ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 85 Prozent gestiegen. Eine Erhebung des Instituts für Psychologie der Russischen Akademie der Wissenschaften stellt fest, dass bei 42 Prozent der Befragten Symptome einer Depression oder schwer zu bewältigender Angst festgestellt wurden. Forschende führen dies auf wirtschaftlichen Pessimismus, Kriegsmüdigkeit und schwindende Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende zurück. Tatsächlich grassieren seit Wochen Nachrichten in dem Riesenreich, die vielen Angst machen: Wegen der erfolgreichen ukrainischen Drohnenattacken auf die russische Ölindustrie kommen aus nahezu allen Teilen des Landes Meldungen über Benzinmangel und Bezinrationierung sowie nächtelanges Anstehen vor Tankstellen. Die Treibstoffproduktion ist um ein Viertel gegenüber dem Juni des Vorjahres abgesackt. Hinzu kommen Berichte, dass in den Provinzen bereits Vorbereitungen für eine Generalmobilmachung im Frühherbst getroffen werden – wegen der schwierig gewordenen militärischen Lage. Das hatte Kremlherrscher Wladimir Putin bisher immer vermieden, um eine Massenpanik zu verhindern. Zur Lage der Streitkräfte fährt die “Taz” fort: „Doch nun ist nach Berichten russischer Medien die Zahl der Russen, die sich von hohen Anwerbeprämien in die Armee locken lassen, so stark eingebrochen, dass von einer Söldner- auf eine Wehrpflichtigenarmee umgestellt werden müsse. „Die Anzahl der Idioten, die für Geld kämpfen, ist ausgeschöpft“, titelte das oppositionelle Magazin Wjorstka”.
Auch „Merkur.de“ bestätigte diese Vermutung am unter der Überschrift „Putin plant neue Mobilisierung – und riskiert damit den Volkszorn der Russen“: „Wladimir Putin soll eine neue Mobilisierungswelle planen, da der Zustrom von Soldaten in die Ukraine versiegt. Der Schritt könnte nach den
Wahlen zur Staatsduma im September erfolgen, berichteten Quellen russischen Medien zufolge, wobei neue Abgeordnete damit beauftragt würden, der Bevölkerung die Mobilisierung „zu verkaufen“, meldeten russische Telegram-Kanäle. Der Kreml steht unter zunehmendem Druck, seine Armee aufzufüllen, die an der Front kaum Fortschritte macht und mit mehr als 30.000 Todesopfern pro Monat rekordhohe Verluste erleidet.“ Alles deutet daher darauf hin, dass sich der Krieg weiter verschärfen wird und künftig die russische Bevölkerung durch eine allgemeine Einberufung unmittelbar betroffen sein könnte – mit allen entsprechenden sozialen Folgen.
In diesem blutigen Krieg zwischen kapitalistischen Räubern vertreten wir seit jeher die Auffassung, dass die Machthaber des vergleichsweise schwachen russischen Imperialismus keine Chance gegen die vereinten kriegführenden Kräfte von Ukraine, Europa und den USA haben. Das Bündnis zwischen der Ukraine, Europa und den Vereinigten Staaten ist nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in technologischer, militärischer und satellitentechnischer Hinsicht zu stark (alle antirussischen Nationen tragen mit ihren Innovationen zur Unterstützung der Ukraine bei, von Europa über die USA bis hin zu Japan und Südkorea), als dass das armselige Russland auch nur die geringste realistische Erfolgschance hätte. Die russische Katastrophe – das ist seit jeher unsere These – ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die kriegstreiberischen Feinde in Europa und darüber hinaus organisieren, bewaffnen und zuschlagen. Es bleibt nur abzuwarten, ob die russische Katastrophe eher militärischer oder wirtschaftlicher Natur sein wird.
DIE MARXISTISCHE POSITION bleibt stets standhaft und unerschütterlich in ihren Grundsätzen: DIE KAPITALISTEN SIND FÜR DIE KRIEGE VERANTWORTLICH! INDEM SIE DIE PROLETARIER OPFERN! Kriege, Massaker und Katastrophen, für die Menschheit völlig nutzlos, ein Unsinn. In einer höheren Gesellschaft gibt es sie nicht. NUR DURCH REVOLUTIONEN KÖNNEN DIE BRUTALEN KRIEGE BEENDET WERDEN! Genau dafür müssen wir uns einsetzen.
